Dr. Klaus Schlupp

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Zu narrativ!

„Sie schreiben viel zu narrativ!“, waren die gestrengen Worte meines Doktorvaters! Und genau das hat er mir in vier Jahren Forschung auch ausgetrieben. Meine Doktorarbeit ist knochentrocken und analytisch geworden, obwohl gerade in alten Archivalien jede Menge kuriose Geschichten stecken. Und es macht doch Spaß, sie zu erzählen. Ich denke gerade an einen Dorfpauker aus den Sechziger Jahren des vorletzten Jahrhunderts, der sich einen jahrelangen Krieg mit seinem vorgesetzten Pfarrer geliefert hat. Da ist doch der Pädagoge mit seinen Schützlingen über die Feldmark gegangen und hat den entgegenkommenden Hochwürden nicht gegrüßt! Grund genug um seitenweise Beschwerdebriefe an das Bischöfliche Ordinariat zu schreiben! In meiner Arbeit sind daraus nur ein paar Sätze und eine Fußnote geworden, obwohl die Originalquellen schreiend komisch sind!

Und mit diesem „Sie schreiben viel zu narrativ“ im Gepäck verschlug es mich dann aus dem deutschen Westzipfel in Aachen an den Ostzipfel nach Görlitz in die Lokalredaktion der Sächsischen Zeitung! Und das ohne je vorher auch nur eine Zeile in der Zeitung veröffentlicht zu haben!

Dann der erste Termin. Ein Jugendfilmfestival mit Kurzfilmen aus den Nachbarländern. Also ging ich ins Kino und unterhielt mich mit den Menschen die da waren und holte mir vor allem die Sachinformationen, denn als Wissenschaftler weiß man ja, der Sachinhalt ist das Wichtigste. Das Publikum war auch eifrig am Diskutieren und ich ebenso fleißig am Notieren. Und dann ging es mit der Ausbeute in die Redaktion.

Ich begann so, wie es sich gehört

Ich begann so, wie es sich gehört: „Am vergangenen Wochenende lief in der Hochschule Görlitz das dritte Dreiländerfilmfestival mit 30 Kurzfilmen aus Polen, Tschechien und Deutschland. Zufrieden mit der Resonanz zeigten sich die Organisatoren. 180 Studenten und Jugendliche sahen am vergangenen Freitag und Sonnabend das ambitionierte Kurzfilmprogramm. Acht Görlitzer Studentinnen, Mitglieder des Filmclubs „von der Rolle 94“, hatten die Filme organisiert und die Regisseure nach Görlitz eingeladen. Gewohnt haben die Gäste bei Görlitzer Kommilitonen. Das gesamte Festival lebt vom ehrenamtlichen Engagement der Organisatoren und von der Bereitschaft der Görlitzer Studenten, einen Gast aufzunehmen“, also stramm im langweiligsten Pressemitteilungstil habe ich diesen doch eigentlich recht netten und bunten Termin kaputt geschrieben. Die Redaktion konnte nichts anderes mehr tun als noch den Satz: „Wer kennt das nicht? Man steigt in Eile ins Auto und plötzlich sieht man nur die rote Kelle, und ein Ordnungshüter will kassieren.“ und noch ein paar kleine Anekdoten, die die Kollegen von mir erfragten dazuzusetzen. Denn hier war das Gegenteil von dem, was ich gewohnt war, gefragt: Geschichten erzählen und den Leser mit ins Boot holen.

Der Schluppi hat sich eingeschrieben!

Aber sei es drum: Nicht lange danach kam dann der Satz vom stellvertretenden Chef: „Der Schluppi hat sich eingeschrieben!“. Es ging um den Sohn des Schauspielers Otto Gebühr. „Mit brüchiger, altersschwacher Stimme meldet er sich am Telefon. Doch das entpuppt sich als Scherz.“, ging ich in den Text herein. Im Zeugnis hieß es dann, dass ich Überschriften und Glossen kann. So wurde aus mir doch noch ein Journalist.

Markus Pflugbeil

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Ein Flugzeugabsturz klingt dramatisch, das war er auch. Als der Münchner Flughafen http://www.flughafen-riem.de/ noch praktisch in der Stadt lag, war (wieder mal) ein Kleinflugzeug abgestürzt, wie 1987, damals auf den McDonalds. Mehr wussten wir in der improvisierten Redaktion des neuen Radiosenders, der noch nicht sendete, auch nicht. Woher wir das wussten – natürlich vom Abhören der Konkurrenz. Der Sender war auf den Trümmern eines der ersten privaten Münchner Rocksenders aufgebaut und sollte als „Tantenfunk“ dem damaligen (!) Bayern 1 Konkurrenz machen, das hieß: viel Volksmusik, viel Schlager und natürlich eine Lokalredaktion.

Wir saßen also hinter den Lautsprechern und hörten auf den anderen Sendern die Nachricht vom Flugzeugabsturz in München-Trudering, während wir Probebetrieb, wie in Echt fuhren. Ich konnte gar nicht so schnell schauen, wie mir der Programmdirektor seinen Autoschlüssel zuwarf, mit den Worten: „Da sind wir näher dran, raus mit dir.“ Ich fuhr also mit dem blauen Golf GTI des Chefs und Aufnahmegerät Richtung Trudering; wie ich die Absturzstelle fand, keine Ahnung, ich vermute mal, dass ich einfach dem Aufgebot an Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei folgte, was unterwegs war.

Ein Lehrstück im Umgang mit der Presse

Als ich die ersten Einsatzfahrzeuge am Straßenrand geparkt fand, stellt ich das Chefauto ab, schaltete das Aufnahmegerät ein und ging los. Mein Ehrgeiz war angestachelt, wie oft hat man schon einen Flugzeugabsturz. Folglich hielt ich jedem, der eine Uniform trug, mein Mikrofon unter die Nase. Und das funktionierte erstaunlich gut. Von irgendwelchen Notärzten erfuhr ich, dass ein Kleinflugzeug in ein Haus gestürzt war und wohl Bewohner nicht anwesend waren und der Pilot aber nicht überlebt hat (hier verlässt mich meine Erinnerung, wer es genauer weiß, darf sich gerne melden). Das hätte so weiter gehen können, wenn nicht, ja wenn nicht…
Plötzlich legte sich eine Hand auf meine Schulter und ein seriöser Herr ohne Uniform drehte mich zu sich um und sagte in ruhigem Münchnerisch „Und wer sind Sie? Aha, einer von den Neuen. Na, wir werden uns schon noch kennen lernen. Jetzt kommens erst mal mit und dann zeig ich ihnen, wie das hier abläuft.“ Das war sozusagen mein erstes Lehrstück in Sachen PR und Pressearbeit.

Der oberste Pressesprecher der Münchner Polizei hatte mich zielsicher geortet und unter seine Fittiche genommen. Ergebnis: ich stand mit ungefähr 20 anderen Kollegen vor dem Einsatzleitungsfahrzeug und der Pressesprecher gab eine improvisierte Pressekonferenz. Für mich als Neuling hieß das ‚hinten anstellen‘, letzte Reihe. Das Gedrängel um O-Töne und Bilder war neu für mich. Kein Wort konnte ich mitschneiden und gehört habe ich auch nichts.

Damit war der Flugzeugabsturz vorbei für mich. Schließlich mussten wir um 12.3o Uhr mit den Nachrichten auf Sendung und geschnitten werden musste auch noch; geliehene Mobiltelefone im Handkofferformat setzten wir erstmals bei der Bürgermeisterwahl in München ein. Ich brauste also zurück in die Redaktion voller Stolz auf meine O-Töne, die ich vor meiner ersten offiziellen Pressekonferenz aufgenommen hatte. Auch die jungen, aus meiner damaligen Sicht ‚alten Hasen‘, die der Sender geholt hatte, fanden meine Ausbeute nicht schlecht und halfen mir schnell einen Beitrag zu schneiden, an der Schnittmaschine, nicht am PC. Dann ging der Beitrag um 12.30 Uhr natürlich als Top-News in die Nachrichten – nur gehört hat ihn niemand, weil wir ja noch im Probebetrieb waren.


Markus Pflugbeil hat seine Praktika und den Weg zu seinem Volontariat auf seinem Blog noch detaillierter nachgezeichnet:http://www.pflugblatt.de/mein-erster-termin-flugzeugabsturz/
Nachdem ihm während des Journalistik-Studiums mitgeteilt wurde, dass nicht jeder Zeit-Korrespondent in Rom oder Paris werden kann, hat er nach einigen Jahren als freier Fachredakteur den Weg in die PR gefunden, wo er noch heute tätig ist.

Marita Käckenmeister

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Studium, Ausland und dann: Volontariat samt Lokaljournalismus. Von großer in die kleine Welt. Von akademischen Höhenflügen zu provinzieller Bodenhaftung. Der erste Termin als „das Fräulein von der Zeitung“ (ja, so sagten 1987 manche tatsächlich noch): Eröffnung eines großen Heilbronner Pflanzen-Centers mit Petra Schürmann als Promi-Gast. „Do gosch no und machsch a Pordrä“, meinte der Lokalchef. Also ein Porträt von der Dame, die als Fernsehmoderatorin, Schauspielerin und Älteren auch als erste deutsche Miss World (1956) bekannt war. Zwischen Kübelpflanzen, Rasenmähern und Terrassenmöbeln war es gar nicht so ganz einfach, ein stilles Plätzchen mit der super-dünnen, umlagerten Schönheit (damals immerhin auch schon 54) zu finden.

Irgendwie kam ich nicht an sie ran

Irgendwie kam ich nicht an sie ran. Im doppelten Sinne. Dafür an ihren unkomplizierteren Gatten, ein Herr Dr. Freund, der sie zum blumigen Event begleitete. Mit ihm saß ich eine Stunde an einem kleinen Kaffeetisch und erfuhr all‘ das, was ich eigentlich von ihr hätte hören wollen – und noch viel mehr. Zum Beispiel, dass die Freundinnen ihrer Tochter (die Jahrzehnte später bei einem Autounfall ums Leben kam) alle zu dick seien. Und dass „das heutzutage ein großes Problem bei den jungen Mädchen“ sei. Na so was. Jedenfalls konnte man mit Dr. Freund tatsächlich wie von Frau zu Frau reden und so wurde es ein kleines, feines „Pordrä“ einer Prominenten, mit der ich eigentlich kaum ein Wort gewechselt habe. Das Schicksal von Petra Schürmann, die wohl am Tod ihrer Tochter zerbrach, hat mich  dann später irgendwie immer besonders berührt.

Annette Hörnig

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1996 war ich Volontärin bei der Wochenzeitung „Hamburger Rundschau“. Damals erregte eine Ausstellung (oder ein Foto-Buch, genau erinnere ich mich nicht mehr) über Transsexuelle recht großes Aufsehen. In der Redaktionskonferenz beschlossen wir, das Thema größer aufzuziehen und ich war zuständig. Ich sollte das Feld sondieren – zufällig war auch gerade eine neue Beratungsstelle für Betroffene gegründet worden – und Gesprächspartner für ein Interview finden. Geplant war ein Report, mit Historie, Infos über OP-Methoden, zur Selbsthilfe-Gruppen-Landschaft plus Portrait. Letzteres war natürlich die besondere Herausforderung und das Spannende. Die Freiwilligen musste ich ja erst mal finden. Über einen Transsexuellen-Stammtisch, den ich anklingelte, bekam ich Kontakt zu Heinz-Günther und Kai. Ich hatte zuvor schon einige kleinere Artikel verfasst und Praktika gemacht. Nun aber war ich Volontärin und das fühlte sich dann doch ganz anders an für mich, professionell eben. Auf mir lastete die Verantwortung für vier Seiten zum Thema Transsexualität. Auf der Fahrt wurde mir ganz flau. Was, wenn die beiden plötzlich keine Lust mehr hätten? Ich sah mein Dossier schon den Bach runtergehen und mich vor leeren Seiten sitzen.

Kai nannte sich Karin

Heinz-Günther, 47, und Kai, 27, wohnten in einem der alten roten Backstein-Häuser nahe der Bahnstation Veddel. Heinz-Günther stellte sich mir als Ina vor und Kai nannte sich Karin. Sie hatten ihr Mann-Sein zumindest optisch schon hinter sich gelassen, trugen Rock und Bluse. Beide hatten eine Hormonbehandlung begonnen. Unvergessen für mich Inas Satz: „Ich werde nie wie eine Elfe aussehen, aber ich habe mich schon immer als Frau gefühlt.“ Ina/Karl-Heinz war ein Bär von Mensch. Und er war Realist. Mich hat das Gespräch mit den beiden, die mir ganz offen und freundlich aus ihrem Leben erzählten, sehr berührt. Ina hatte sich als Teenager voller Selbsthass malträtiert, später in Selbstverleugnung geheiratet und zwei Töchter gezeugt. Natürlich ging die Ehe kaputt. Bis zum Coming-Out waren bei beiden qualvoll lange Jahre vergangen. Karin hatte schon als Teenie heimlich Frauenkleider getragen. Er war gerade als Altenpfleger gefeuert worden, weil sich eine Patientin an seinem Aussehen störte. Sie hatten keine Arbeit und obendrein riesige Probleme mit ihrer Identität. Aber sie hatten einander. Ich durfte ein Foto von beiden machen und bekam sogar Vorher-Fotos. Die beiden sahen die Veröffentlichung als einen Schritt auf ihrem Weg in ein neues Leben. „Wir haben jetzt quasi eine lesbische Beziehung“, sagten sie, „und das darf die Welt ruhig wissen.“ Dank der beiden hatte ich genug Stoff und schrieb „Der Feind im Spiegelbild“ über sie. Inzwischen lebe ich seit langem in Berlin, aber jedes Mal, wenn ich in Hamburg an der Veddel vorbeikomme oder den Namen höre, denke ich an dieses besondere Paar und frage mich, ob sie wohl heute ein glücklicheres Leben haben.

Annette Hörnig, Berlin, heute bin ich Chefreporterin bei der Zeitschrift Superillu, damals war ich Volontärin bei der „Hamburger Rundschau“ in HH.

Lara Hausleitner

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Bei meinem ersten Termin …

… war ich 19, hatte gerade mein Abi gemacht und fand mich ungeheuer cool, weil ich einen Praktikumsplatz beim lokalen Hörfunk ergattert hatte. Sogar eine bezahlte Praktikumsstelle, 300 Mark im Monat oder so ähnlich. Da ich schon vorher bei einem anderen Lokalsender regelmäßig moderiert hatte, wusste ich natürlich, dass Radioleute alle wahnsinnig hip und wahnsinnig schön sind. Ganz anders als bei der Zeitung (ich bin seit mittlerweile 15 Jahren Redakteurin bei einer Tageszeitung), da darf man ja ruhig mal optisch etwas verschlufft vor dem Bildschirm sitzen. Geht beim Radio gar nicht, obwohl einen auch da keiner sieht; nein, beim Radio muss man schön sein. Vor allem,wenn man 19 ist, null Ahnung hat, aber gut ankommen will.

Ich warf mich also in ein hautenges Minikleid, irgendwie schwarzweiß gemustert, wie es in den frühen 90ern „in“ war. Keine Frage, es sah gut aus, weil ich damals eine Hungerhaken-Model-Figur hatte. Dazu trug ich, ich erinnere mich genau, schwarze Spitzenstrumpfhosen und knallblaue Schuhe. In der Redaktion waren alle superlieb, supernett, superhip, supercool, ich ebenso, das Wetter war prächtig, sommerlich, und ich wurde zu meinem ersten Termin geschickt.

Im knappen Fummel auf schlammigen Wegen

Auf einer Müllhalde. Worum es ging, weiß ich nicht mehr. Doch ich weiß noch genau,dass es in Strömen zu regnen begann, während ich zu der Müllhalde fuhr. So stakste ich dann in meinen knallblauen Schuhen, in Netzstrumpfhosen und im knappen Fummel auf schlammigen, etwas unappetitlichen Wegen herum. Ein netter Mann hielt seinen Schirm über mich, und ich glaube, alle lächelten – mitleidig bis spöttisch. Einen O-Ton kriegte ich zustande, ehe ich triefend in die Redaktion zurückkehrte.

Ich habe auch in den folgenden Wochen gelegentlich Minikleider getragen, aber ich hatte immer Wechselklamotten im Kofferraum: Jeans und Turnschuhe. So halte ich es nach wie vor, obgleich ich seit langem vor allem im Ressort Kultur arbeite und somit eher selten auf Müllhalden Interviews machen muss.

So, die Geschichte wie der Blitz runtergeschrieben, mein Sohn meckert, und ich muss los…

Olaf Moos

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Am 13. Februar 1985 war es, in einer zur Redaktion umgebauten Parterrewohnung im Dortmunder Norden, Westfälische Rundschau, Stadtteilnachrichten für Dorstfeld, Huckarde, Lütgendortmund und Mengede. Ich hatte gerade als Praktikant angefangen. Morgens sagte Redaktionsleiter Ingo Dienhardt: „Du musst übrigens gleich nach Kirchlinde, da wird ein Briefkasten eingeweiht. Der Landtagsabgeordnete Gerd Wendzinski kommt auch.“ Und vorbei war’s mit meiner Zuversicht, den Journalismus neu erfinden zu können. Ach du Scheiße, ein MdL!

Bitte recht freundlich!

Eine kleine Bürgerinitiative hatte es geschafft, für ihren entlegenen Ortsteil einen Briefkasten hingestellt zu bekommen. Großer Bahnhof an der Mengeder Straße, mit Postlern, Bürgern und dem Landtagsabgeordneten Wendzinski. Und dann auch mit mir. Bitte recht freundlich! Habe ich wirklich gesagt. Da standen schon ein paar zittrige Zeilen auf meinem Notizblock, es ging nur noch ums Foto. Total versaut, überbelichtet, im Labor gerade noch so gerettet. Das Ergebnis: Hinten, schön verschwommen, die Akteure nebeneinander, alle recht freundlich. Und im Vordergrund, in der Mitte, bildbeherrschend, monumental: der Briefkasten. Und ich am nächsten Morgen: stolz wie Bolle.

Yvonne Held

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Mein erster Termin war direkt am ersten Tag meines freiwilligen Praktikums in den Osterferien. Journalistisch gesehen vollkommen unbedarft und ahnungslos habe ich mich an die Fersen des damaligen Volontärs in der Redaktion gehängt. Er hatte zwei Termine für diesen Tag auf dem Plan stehen, die ich ebenfalls mitnehmen sollte. Ein 90. Geburtstag einer Ur-Einwohnerin der Stadt stand zunächst im Kalender. Allein die Fahrt dorthin war abenteuerlich, denn: Wir fuhren mit unserer Fotografin dorthin. Sie war stolze Besitzerin einer Ente, der leider die Rücksitzbank abhanden gekommen war. Die sowieso schon rasante Kurvenfahrt in dem Kultauto wurde aufgrund fehlender Sitz- und Festhaltemöglichkeiten für mich daher zu einer kleinen Tortur.

Dementsprechend bleich muss ich wohl aus dem Auto gekrabbelt sein. Aber tapfer quälte ich mich im Anschluss die Treppen zur Jubilarin hoch. Dort bekam ich einen ersten Eindruck dessen, wie ein Lokaljournalist bei solchen Terminen auf die verschiedensten Charaktere treffen kann. Anwesend waren neben dem geistig sehr agilen Geburtstagskind, die übereifrige Tochter und der Bürgermeister. Der Tochter schien alles peinlich, was die Mutter sagte, die Mutter lächelte die ganze Zeit verschmitzt und der Bürgermeister versuchte charmant zwischen beiden Frauen zu vermitteln, während der Volontär und ich uns Stichworte aus dem Erzählten aufschrieben und uns sonst dem angebotenen Kuchen widmeten.

Furchteinflößende Kostümchen

Nachdem die Fotos gemacht und wir einige sehr schöne Anekdoten aus dem Leben der Jubilarin erfahren hatten, ging es direkt weiter zum nächsten Termin, der sich nicht mehr von der ersten Erfahrung hätte unterscheiden können: Die Bilanz-Pressekonferenz des damalig noch in der Stadt ansässigen Karstadtkonzerns. Bei unserer Ankunft wurden wir in die erste Etage des Unternehmens geführt. Ein erster Blick in den Konferenzraum sagte mir, dass der Volontär und ich alles andere als passend gekleidet waren. Die Kostümchen und Anzüge um uns herum wirkten irgendwie furchteinflößend. Umso interessanter fand ich es damals, dass die Herren und Damen sich davon gar nicht irritieren ließen und und lächelnd an unsere bereits mit Unterlagen, Schokoosterhasen und einer Uhr der Konzerns eingedeckten Plätze führten. Die gesamte Pressekonferenz dauerte etwa eine Stunde und ich weiß noch, wie mir damals der Kopf rauchte. Dennoch habe ich aus beiden Terminen versucht das beste zu machen: Der Geburtstag kam als Dreispalter auf die lokale Seite 2. Die Bilanzpressekonferenz auf die Seite 1. Ich weiß nicht mehr, worauf ich mehr stolz war, auf den Geburtstagsartikel, den ich komplett allein geschrieben habe oder den Bericht zu Karstadt, zu dem ich einen Teil beigetragen hatte. Eigentlich wollte ich mit dem Praktikum nur mal in verschiedene Berufe hineinschnuppern. Journalismus als Beruf hatte ich damals nicht wirklich ins Auge gefasst. Das änderte sich an diesem Tag im März vor 15 Jahren.

Ariane Amann

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Im Herbst 2006 führte mich mein erster Termin als Agenturistin für die Magdeburger Volksstimme in einen der etwas außerhalb gelegenen Stadtteile. Ich hatte mich dort auf Vermittlung eines Kollegen mit einem älteren Herren verabredet, der in einem nahe gelegenen Wald selbstgezimmerte Nistkästen aufgehängt hatte. Mit der Veröffentlichung wollte er, so schien es mir, erreichen, dass sich noch mehr Freiwillige für noch mehr Nistkästen finden. Das schien mir zunächst erst mal keiner der schlechteren Gründe, sich in die Zeitung zu drängen.

Vor Ort traf ich dann den Herren, fuhr auch mit ihm zu den besagten Nistkästen, ein Bild braucht man ja schließlich auch (fast) immer. Noch während ich meinen Kleinwagen durch den besagten Wald steuerte, kam mir der leise Verdacht, dass dieser Termin länger dauern würde als ich vermutet hatte. Und ich sollte recht behalten, denn aus der geplanten Stunde wurden drei. Fahrtzeit exklusive versteht sich. Das einzig Gute an dieser Situation war, dass ich an dem Tag nicht offiziell im Dienst war, sondern diesen Termin schon vorbereitet wissen wollte, um nicht gleich am ersten Tag in Themennot zu geraten. Der Herr bat mich noch ins Haus, wo er dann noch eine ellenlange Tirade auf die Qualität der Zeitung im Speziellen, der Medien im Allgemeinen und seiner direkten Mitmenschen im Besonderen zum Besten gab.

Ich sehe mich heute noch, wie ich in einem dunklen Zimmer hocke, verzweifelt auf die Uhr schaue und nicht mal zu Wort komme, um meine baldige Abreise zu verkünden. Wenn der Herr in dieser Situation eine Kettensäge aus dem Schrank geholt und mich dahin gemeuchelt hätte, so hätte es vermutlich eine Weile niemand bemerkt…

Damals habe ich mich nicht getraut, einfach aufzustehen und zu gehen. Und so verbrachte ich drei recht unangenehme Stunden in dem kleinen Dörfchen, das mir unmittelbar erst einmal in äußerst blöder Erinnerung blieb. Die übrigen Bewohner des Dorfes, von denen ich einen Großteil später kennenlernte, ließen mich diese Begegnung allerdings auch wieder verdrängen. Und immerhin habe ich es geschafft, aus diesem verkorksten Tag noch einen soliden Dreispalter zu fabrizieren…

Sandra Kathe

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Es war mein erster Termin im Rahmen eines Praktikums, das zunächst dafür sorgte, dass ich den Plan, Journalistin zu werden, an den Nagel hängen wollte. Davon allerdings der mit Abstand beste Tag.

Ziemlich verschlafen kam ich an einem Frühlingsmorgen im Jahr 2006 in die Redaktion eines regionalen Radiosenders in Nordbaden. Die Kollegen begrüßten mich mit der Info, dass es heute zum ersten Mal ohne die Redakteure rausgehen würde und drückten uns ein Aufnahmegerät und die Adresse in die Hand.

„Um was geht es denn eigentlich?“, fragten meine Mit-Praktikantin und ich unisono. „Die promoten so ein neues Festival irgendwo in der Südpfalz. Doro Pesch ist da. Könnte sein, dass die Halmich auch kommt. Fragt sie mal nach ihrem Tipp für den KSC fürs Wochenende“, kam prompt die Antwort des motivierenden Redakteurs.

Ich wusste, dass Doro eine bekannte Sängerin war und „die Halmich“ hatte vor noch nicht allzu langer Zeit Stefan Raab beim Promiboxen besiegt. War ich deshalb nervös? Wahrscheinlich nicht viel mehr als bei jedem anderen ersten Termin.

Wir fuhren hin, hörten uns die Pressekonferenz an und verschwanden dann mit Doro zum Interview in einen Nebenraum. Sie war unglaublich nett und es tat natürlich auch gar nicht weh. Regina Halmich nach dem KSC fragen konnten wir übrigens nicht, hatte sie den Termin doch aus Zeitgründen abgesagt.

Nach Rückkehr in die Redaktion, suchten wir den besten 10-Sekunden-Schnipsel aus meinem Interview aus, löschten alle „Ähh“s, schrieben eine Handvoll Zeilen dazu und durften in den Feierabend.

Wie jeden darauf folgenden Tag.

Nach zwei Wochen hängte ich Praktikum und Berufswunsch an den Nagel.

Knapp ein halbes Jahr später hatte mich die Neugier und Schreibwut wieder gepackt und ich begann ein neues Praktikum bei einer Lokalzeitung in der Pfalz. Nach dem ersten Termin war mein Berufswunsch zurück.

Heute lebe ich in Frankfurt und arbeite als Freiberuflerin für verschiedene Auftraggeber: Lokalzeitungen, Agenturen, ein Klettermagazin und meinen eigenen Blog. Und erinnere mich überraschenderweise gerne an den Tag, an dem ich Doro Pesch fürs Radio interviewen sollte.

Sandras Blog —> http://www.s-kathe.com

 

Florian Ahlers

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Mein erster Termin…
 … oder: Florian entdeckt die (Zeitungs-) Welt.

Es war in meinem Praktikum, das ich vor neun Jahren bei meinem jetzigen Arbeitgeber absolviert habe. Morgendliche Besprechung,der erste Termin für mich wurde festgelegt: Abends, 18.00 Uhr, zur Frauenhilfe.Ein singender Postbote sollte dort auflaufen und aus seinem reichhaltigen (Berufs-)Leben berichten. Wie er zu Fuß durch die Landen zog, wie er singend und pfeifend bald der ganzen Region bekannt war durch sein frohes Gemüt und seine freundliche Art. Ich schrieb und schrieb und schrieb mit – Vieles in dieser Sammlung von Krakeleienerinnerte mich hinterher an Steno-Schreibweise. Ich wollte ja schließlich nichts verpassen und notierte mir das komplette Leben des Postboten auf mehreren Dutzend Seiten Papier.

Durch das viele Mitschreiben hatte ich fast vergessen, dass ich das ganze ja auch noch bebildern sollte. Also wurde kurzerhand die alte Olympus aus der Kameratasche geholt,der Stabblitz fand mit Hängen und Würgen auch seinen Platz und schon knipste ich drauflos. Jeder halbwegs professionelle Fotograf hätte die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, ich hingegen war Feuer und Flamme – auch wenn ich nun zehn Minuten lang nicht mehr mitschreiben konnte. Dafür blitzte ich nahezu jeder Dame im Raum ins Gesicht und hatte ansatzweise diebische Freude dabei, nahezu jede Handbewegung des singenden Postboten im Bild festzuhalten. Ich bildete mir ein, dass das schon richtig so sei, denn besser zu viel mitbringen als zu wenig…

Fertig mit dem Termin und einen ganzen Koffer voll Zettel und mit einer vollen Speicherkarte rotierte ich dann zurück in die Redaktion, glücksselig, denn ein Lob sollte mir ja ob meiner Detailfreude und Mitschreibfreudigkeit gewiss sein. Der Redakteur, der an diesem Tag für mich zuständig war, sah das ein wenig anders, glaube ich. Er wollte mir wahrscheinlich nicht vor den Kopf stoßen, aber ich bilde mir ein, dass er ein paar Sorgenfalten aufgelegt hat, als er die 120 Bilder (!) des Termins durchschaute. Sagen wir, ein Fleißkärtchen gab es nicht. Dafür hatte ich das gute Gewissen, meinen ersten Job erledigt zu haben und war am nächsten Tag stolz wie Oskar, dass mein singender Postbote den Weg in die gedruckte Zeitung fand. Und das war für mich Lohn genug. Für mich ist es eine Erinnerung, die ich noch gerne erzähle und die meine Frau immer wieder zum Lachen bringt, wenn ich sie mit ihr teile…

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